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Heute tragen mehr als 3,5 Millionen Menschen in Deutschland Kontaktlinsen, viele davon täglich. Der routinierte Griff zum Brillenersatz wundert nicht: Immerhin stellen die kleinen Helfer eine flexible Alternative zur Brille dar, die sich auch vor Sporteinsätzen und Extremsituationen nicht abschrecken lässt. Doch was kann man tun, wenn eine Kontaktlinsenunverträglichkeit vorliegt? Wir erklären, wodurch die Unverträglichkeit entsteht und was dagegen unternommen werden kann!

Historisches Produkt: Die Kontaktlinse

Während schon arabische Gelehrte vor über 2000 Jahren um das Phänomen der Sehstärkenverbesserung durch geschliffene Gläser wussten, blickt die Linse auf eine eher junge Geschichte zurück. Erst vor 125 Jahren untersuchten der Deutsche Adolf Gaston Eugen Fick und der Franzose Eugene Kalt fast zeitgleich die Wirkung dünner Glasschalen im Auge.

Obwohl die Ergebnisse ihrer damaligen Experimente – Ficks Innovation war mit Zuckerlösung gefüllt - nicht die gewünschten Ergebnisse lieferten, gelten beide heute als Gründerväter der Technologie. Ernstzunehmende und tragfähige Lösungen wurden erst in den 50igern des letzten Jahrhunderts entwickelt, als die Forschung auf spezielle, sehr dünne Kunststoffe stieß.

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Die letzten großen Durchbrüche fanden sich in der Entwicklung sauerstoffdurchlässiger Kunststoffe um 1980 und der Innovation Silikon-Hydrogel-Linse, welche erstmals durch den hohen Sauerstofftransport Tragezeiten über Nacht möglich machten.

Problemfall Allergie: Wenn das Tragen zur Qual wird

Gegen Kontaktlinsen an sich liegen selten Allergien vor, da die verwendeten Materialien als sehr verträglich gelten. Biokompatible Modelle enthalten auf Grund ihrer Komposition nur dem Körper ähnliche Stoffe und werden so noch weniger häufig als Fremdkörper oder potentielles Allergen erkannt. Dennoch besteht bei anderen Allergien das Problem der Kreuzkontamination.

Wenn beispielsweise ein Pollen- oder Stauballergiker nicht auf die adäquate Reinigung seiner Sehhilfen achtet, können sich Allergene (Stoffe, die allergische Reaktionen induzieren) auf der Oberfläche der Linse sammeln und direkt mit dem Auge in Kontakt kommen. Dies hat Reizungen zur Folge.

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Auch Konservierungsstoffallergien können durch verwendete Pflegemittel ausgelöst werden. In solchen Sonderfällen empfiehlt sich die Reinigung mit einem Peroxid-System wie beispielsweise dem Aosept Plus HydraGlyde. Das Linsen-Reinigungsmittel auf Peroxid-Basis hat einen weiteren Vorteil: Es entfernt effektiv alle Ablagerungen, Proteine und Rückstände auf der Kontaktlinse frei von Konservierungsmitteln und beugt damit einer Kontaktlinsenunverträglichkeit vor.

Kontaktlinsenunverträglichkeit: Schädigung durch Infektion des Auges

Knapp zwei Millionen Menschen tragen bundesweit regelmäßig eine Kontaktlinse: Ein Trend, der durchaus auch mehr berichtete Fälle von Infektionen in Folge einer Unverträglichkeit nach sich gezogen hat. Den größten Anteil an wiederkehrenden Infektionen hat das Tragen einer weichen Kontaktlinse: Insgesamt werden 97 Prozent aller Komplikation mit der Kombination aus Linsengröße und -beschaffenheit assoziiert.

Dies liegt zum einen daran, dass weiche Produkte im Gegensatz zu ihren formstabilen Pendants mehr Raum auf der Hornhaut einnehmen und sich festsaugen. Wenn Horn- und Bindehaut von einem Fremdkörper bedeckt sind, kann es zu einer Unterversorgung kommen: Immerhin wird das Gewebe nur über den Tränenfilm mit Sauerstoff versorgt.

97 Prozent aller Komplikation hängen mit der Linsengröße und -beschaffenheit zusammen

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Unterbrechung des Tränenfilms als Risiko für Kontaktlinsenunverträglichkeit

Die Unterbrechung des Tränenfilms unterbindet ebenfalls den Abtransport von Stoffwechselabfallprodukten wie körpereigenen Proteinen und Lipiden. Um das Fremdkörperempfinden ebenso wie eine temporäres Austrocknen des Auges auszuschließen, setzen viele Hersteller entweder auf besonders wasserhaltige Produkte, welche über einen hohen Wassergehalt die Linsen über den Tag verteilt mit Feuchtigkeit versorgen.

Denn: Zusätzlich zu der Blockade der Hornhaut können weiche Linsen den Augen noch mehr Feuchtigkeit entziehen, wenn sie selbst ausgetrocknet sind. Ein Teufelskreis beginnt, der häufig Rötungen und die bekannten, feinadrigen Verästelungen als Symptom für eine Kontaktlinsenunverträglichkeit mit sich bringt. Personen, die mutmaßlich an einer Unverträglichkeit gegenüber weichen Kontaktlinsen leiden, denen werden formstabile Produkte und andere Materialien empfohlen.

Alternativ: Formstabile Produkte und Silikon-Hydrogel

Formstabile Sehlinsen besitzen gleich zwei Vorteile gegenüber ihren weichen Pendants: Zum einen bedecken sie durch ihre geringere Größe (bis zu 10 Millimeter im Vergleich zu bis zu 14,5 Millimetern) nur einen kleinen Teil der Hornhaut, wodurch das Auge insgesamt mehr mit Feuchtigkeit versorgt wird. Zum anderen bestehen sie nur aus wenig Wasser und entziehen damit dem Auge keine Feuchtigkeit, wenn sie über längere Zeit im Auge verbleiben.

Formstabile Sehlinsen sind kleiner und befeuchten dadurch das Auge besser

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Der Umstand, dass weiche Linsen ihren Feuchtigkeitsgehalt aufrechterhalten wollen und damit mit steigender Tragedauer dem Auge systematisch Feuchtigkeit entziehen, hat als Lösung für Kontaktlinsenunverträglichkeit auch zum Siegeszug von Silikon-Hydrogel geführt. Dieses neue Material ist bis zu 6 Mal sauerstoffdurchlässiger, besitzt einen geringeren Wassergehalt und gleichzeitig meist ultraglatte Oberflächen, welche Ablagerungen vorbeugen.

Wenn die erste Eingewöhnung erfolgt ist, können Silikon-Hydrogel-Produkte durchaus zur Auflösung der Unverträglichkeit beitragen.

Gereizte Augen: Das hilft bei akuter Unverträglichkeit

Wenn Symptome einer Kontaktlinsenunverträglichkeit auftreten, müssen Sie also nicht unbedingt für immer auf ihre mobilen und flexiblen Sehhilfen verzichten. In jedem Fall bietet sich als Direktlösung eine Kontaktlinsenpause an, um dem Auge Ruhe zu gönnen. Diese Pause sollte genutzt werden, um gemeinsam mit einem Fachmann (Optiker oder Augenarzt) auf Ursachenfindung zu gehen.

Nur der Fachmann kann definitiv Auskunft darüber geben, ob das Problem an den Kontaktlinsen, dem Auge oder Umwelteinflüssen liegt. Häufig bietet schon eine gewissenhaftere Desinfektion oder ein Wechsel der verwendeten Reinigungslösung schnelle Abhilfe bei einer akuten Kontaktlinsenunverträglichkeit.

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Um Allergien gegen Konservierungsmittel auszuschließen, können Verbraucher zu kraftvollen Peroxid-Systemen greifen, die gänzlich ohne dieses Allergen wirken. Als Soforthilfe gegen trockene Augen bieten sich Nachbenetzungstropfen wie die Clearvision Comfort Tears an, um schnell weiteren Irritationen vorzubeugen. Bleiben diese jedoch auch nach Rücksprache mit dem Augenarzt vorhanden, könnte final der Wechsel zu Tageslinsen gegen eine Kontaktlinsenunverträglichkeit helfen.


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